Oblatin werden
Eine Benediktinerinnen Oblatin ist jemand, die sich von der Spiritualität des Hl. Benedikt von Nursia angezogen fühlt, ohne selbst Klosterschwester zu werden. Oblaten leben mitten in der Welt – in Familie, Beruf und Gesellschaft –orientieren sich aber bewusst an der Spiritualität der Benediktsregel.
Der Begriff „Oblate“ kommt vom lateinischen „oblatus“ und bedeutet „dargebracht“ oder „hingegeben“. Gemeint ist keine Flucht aus dem Alltag, sondern eine bewusste Hingabe des eigenen Lebens an Gott im Alltag. Das kann als Oblate mitten in der Welt (Weltoblate) verwirklicht werden oder sogar im Kloster (Klaustraloblatin. Keine Ewigen Gelübde.) Beide bringen sich in einer liturgischen Feier durch Ihre Oblation Gott dar, bleiben aber selbständig und verfügen selbst über ihren Besitz und über ihr Leben.
Was bedeutet es konkret, Oblatin zu sein?
Eine Oblatin bemüht sich, zentrale Elemente der benediktinischen Spiritualität in ihr Leben zu integrieren:
Gebet im Alltag
Teilnahme am Stundengebet – zumindest in vereinfachter Form (z. B. Laudes oder Vesper)
Lectio divina
Regelmässige betrachtende Schriftlesung.
„Ora et labora“
Die eigene Arbeit wird als geistlicher Weg verstanden, der eigene Alltag ist auf Gott ausgerichtet.
Mass und Ordnung
Ein geordneter Tagesrhythmus, eine Lebensweise, die Raum gibt für Gott und für das Gebet, und für ein sakramentales Leben (Hl. Messe und Beichte).
Innere Haltung
Demut, Geduld, Hörbereitschaft und Treue im Kleinen. Es geht nicht um Perfektion, sondern um Treue im Gewöhnlichen.
Verbindung mit dem Kloster
Benediktiner-Oblatinnen gehören zu einem konkreten Benediktinerkloster. Sie werden von der Gemeinschaft auch entsprechend als Dazugehörende behandelt. Sie haben in den meisten Klöstern einen geistlichen Begleiter (Oblatenrektor), nehmen gelegentlich an Oblatentagen oder Exerzitien teil und Pflegen eine lebendige Beziehung zur entsprechenden klösterlichen Gemeinschaft. Das Kloster wird so zu einer geistlichen Heimat, ohne dass man dort ständig lebt.
Der Weg zur Oblation
Der Weg verläuft meist in mehreren Schritten: Interessensphase, Kennenlernen der Spiritualität und des Klosters. Probezeit (Noviziat): Einübung in die Regel und das geistliche Leben gemäss benediktinischer Spiritualität. Oblation (Versprechen): Feierliche Hingabe an Gott im Geist der Benediktsregel. Dieses Versprechen ist kein Ordensgelübde, sondern eine frei gewählte geistliche Bindung.
Für wen ist dieser Weg geeignet?
Der Oblatenweg richtet sich an Frauen, die
- ihren Glauben tiefer leben möchten
- im Alltag nach innerer Ordnung und Sammlung suchen
- sich eine geistliche Verwurzelung wünschen
- ohne klösterliches Leben die benediktinische Weisheit leben möchten
Die Oblation steht bewusst offen für Laien, Verheiratete und Berufstätige.
Der geistliche Kern
Das Besondere am Oblatenleben ist seine Schlichtheit und Unauffälligkeit: Nicht aussergewöhnliche Leistungen stehen im Mittelpunkt, sondern die Haltung, Gott in allem zu suchen: Im Gebet, in der Arbeit, in den Begegnungen und Beziehungen, ohne sich aus der Welt zu verabschieden. So wird das ganze Leben – Schritt für Schritt – zu einem Ort der Gottesbegegnung.