Schwester werden
Benediktiner-Schwester werden – ein Leben für Gott in Gemeinschaft
Der Ruf, Benediktinerin zu werden, ist die Einladung zu einem Leben, das ganz auf Gott ausgerichtet ist – in Gebet, Gemeinschaft und Alltagstreue. Grundlage dieses Lebens ist die Regel des Hl. Benedikt von Nursia, die seit dem 6. Jahrhundert Frauen und Männer in eine ausgewogene und menschennahe Form geistlichen Lebens geführt hat und immer noch fasziniert.
Anders als oft vermutet, bedeutet dieser Weg nicht Weltflucht, sondern eine Vertiefung des Lebens: Alles – Arbeit, Beziehungen, Stille, Zeit – wird in eine bewusste Beziehung zu Gott gestellt, indem wir der Liebe zu Christus nichts vorziehen.
Das Leben im Kloster
Der Alltag einer Benediktinerin folgt einem Rhythmus, der Raum für das Wesentliche schafft:
Stundengebet (mehrmals täglich)
Die Psalmen strukturieren den Tag und verbinden die Gemeinschaft im gemeinsamen Stehen vor Gott.
Hl. Eucharistie
Mitte und Quelle des geistlichen Lebens ist die Hl. Messe. Sie ermöglicht uns ein Bleiben in Christus, Tag und Nacht.
Arbeit (ora et labora)
Je nach Begabung bringt sich jede Schwester in die Gemeinschaft ein und übernimmt klösterliche Aufgaben, die allen dienen. Jedes Kloster hat auch eine Ausstrahlung nach aussen und zieht Menschen an, die betreut werden müssen. Benediktinerklöster versuchen, möglichst selbständig und unabhängig zu sein.
Stille und persönliche Gebetszeit
Das Kloster ist ein stiller Raum für die Begegnung mit Gott, die sich auf allen Ebenen und in jeder Alltagssituation ereignen kann.
Gemeinschaft
Wir teilen miteinander unser Leben und die Lasten des Alltags mit allen Höhen und Tiefen. Das Ziel ist kein aussergewöhnliches Leben, sondern ein durch Gott geprägter Alltag, damit in allem Gott verherrlicht wird.
Die evangelischen Räte
Eine Benediktinerin legt – nach einer längeren Zeit der Prüfung – Ewige Gelübde ab. Sie verspricht klösterlichen Lebenswandel, Gütergemeinschaft und gehorsamen Dienst unter Äbtissin und Regel (Gehorsam als gemeinsames Hören auf Gott). Wir pflegen als Gemeinschaft nicht absolute Besitzlosigkeit, sondern eine einfache Lebensweise ohne persönliches Besitzstreben. Jede Schwester bekommt, was sie persönlich braucht. Allen ist alles gemeinsam. Ein Kloster sollte möglichst selbsttragend sein. Damit verbunden ist ein ungeteiltes Herz für Gott. Hinzu kommt das typisch benediktinische Versprechen der Stabilitas: die Treue zu einem konkreten Kloster bzw. zur Gemeinschaft, die dort lebt.
Gast:
Der Eintritt geschieht schrittweise: Kontakt und Kennenlernen durch sporadische, kürzere oder längere Besuche als Gast im Kloster, Gespräche, erste Einblicke und allmählicher Aufbau von tragfähigen Beziehungen in aller Freiheit.
Postulat:
Das Postulat ist eine von beiden Seiten noch unverbindliche Zeit des klösterlichen Mitlebens ohne endgültige Bindung. Es dient der gegenseitigen Erprobung mit der Freiheit, jederzeit zu gehen oder auch zu bleiben.
Noviziat:
Das Noviziat besteht in einer Intensiven Einführung in das geistliche Leben und nach der Regel des Hl. Benedikt. Es umfasst mindestens ein Jahr und kann verlängert werden.
Zeitliche Profess:
In der Zeitlichen Profess verspflichtet sich die Kandidatin für drei Jahre (Möglichkeit der Verlängerung), klösterlich zu leben. Die Äbtissin kann gegebenenfalls von diesem Versprechen dispensieren, falls dies angeraten erscheint.
Ewige Profess:
Die Ewige Profess ist die endgültige Bindung an Christus bzw. Kirche und Gemeinschaft. Sie hat bräutlichen Charakter und kann nur mit päpstlicher Dispens gelöst werden.
Der Weg zur Ordensfrau braucht Zeit – mehrere Jahre – und dient dazu, die eigene Berufung in Freiheit zu prüfen und schliesslich zu bejahen.
Voraussetzungen und innere Haltung
Der Hl. Benedikt empfiehlt zu prüfen, ob ein Kandidat für das Mönchtum im Kloster vor allem Gott allein sucht (nichts Anderes); Neigung hat zu Innerlichkeit und Gebet, und ob er auch Widrigkeiten, die in keinem Leben fehlen, geduldig zu tragen bereit ist.
Bereitschaft zur Gemeinschaft
Das Leben in Gemeinschaft ist wie ein Bachbett, das die einzelnen Steine rundet und abschleift, d.h. von Fehlern bessert. Der Hl. Benedikt rät, nicht gleich davon zu laufen, wenn sich Herausforderungen zeigen. Denn mit der Zeit weitet sich nach Benedikt das Herz. Dann geht man den Weg im Elan und in der Freude der Liebe und möchte mit keinem anderen Leben mehr tauschen. Mitbringen muss man Fähigkeit zur Treue und Geduld, Ehrlichkeit und Transparenz, die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten und sich auf eine positive Weise in das gemeinschaftliche Leben einzubringen. Niemand muss „perfekt“ sein – aber bereit, sich formen zu lassen. Der Hl. Benedikt betrachtet das Kloster als eine Schule der Gottes- und Nächstenliebe. Seine Regel ist im Grunde genommen nichts anderes als gelebtes Evangelium, die Gelübde eine Form der Verwirklichung der Taufgnade. Das benediktinische Leben ist geprägt von einer stillen, tragenden Haltung: Gott suchen in allem – im Gebet, in der Arbeit, im Miteinander. Es ist ein Weg der Beständigkeit und Kontinuität, der Tiefe. Vermieden werden Unbeständigkeit und Oberflächlichkeit. Wer ihn geht, entscheidet sich nicht für ein spektakuläres Leben, sondern für ein wahrhaftiges, Gott wohlgefälliges Leben, das Gott und seine Ehre nie aus dem Blick verliert und das eigene Selbst in den Dienst einer grösseren Sache stellt.